Kommentar: So rechnet sich die EU den Klimaschutz grün

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Ein Bericht auf autobild.de, in dem das neue SUV-Coupe eines deutschen Premiumherstellers mit Plug-in-Hybrid vorgestellt wird, führt wieder einmal vor Augen, wie sich die EU den Klimaschutz auf dem Papier grün rechnet. Das SUV-Coupe verbraucht bei einem Leergewicht (ohne Extras) von stolzen 2.505 Kilogramm und einer Leistung von 462 PS lediglich 3,0 bis 2,6 (!) Liter Benzin auf 100 Kilometer.

Verantwortlich für diesen Fabelwert ist die Ermittlung der Verbrauchswerte nach dem WLTP-Prüfverfahren, einem im Vergleich zum alten NEFZ-Verfahren „realistischeren Prüfverfahren zur Messung des Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen“ (Zitat Webpage des Herstellers).

Schon in meinem Kommentar: Wie glaubwürdig ist der europäische Green Deal? habe ich die Verbrauchswerte eines vergleichbaren SUVs eines anderen deutschen Premiumherstellers, das nach WLTP-Prüfverfahren gerade einmal 1,2 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen soll, in Frage gestellt. Zu Recht, denn laut Testbericht einer bekannten Tageszeitung gönnte sich dieses SUV in der Fahrpraxis nämlich durchschnittlich neun Liter Benzin auf 100 Kilometer – also ein Vielfaches des WLTP-Verbrauchs. So viel zu Theorie und Praxis.

Es wird immer grüner in Europa

In derselben Tageszeitung konnten Interessierte Mitte Oktober lesen, dass dank starker Verkäufe von Elektroautos der CO2-Ausstoß zurückgeht. Eine Studie des belgischen Klimaverbands Transport & Environment zeigt laut diesem Bericht, dass heuer fast alle Automobilhersteller die strengen CO2-Abgasvorschriften der EU für den reduzierten Flottenverbrauch erfüllen (neue PKW dürfen in der EU ab dem Jahr 2020 im Durchschnitt nur noch maximal 95 Gramm CO2 ausstoßen). Grund dafür ist laut der Studie die starke Zunahme bei den Verkäufen von Elektroautos, für die es beim Berechnen der Flottenverbrauchswerte spezielle Gutschriften gibt.

Erscheint mir logisch. Elektroautos emittieren beim Fahren in Europa weniger Abgasemissionen als Autos mit Verbrennungsmotor. Denn unser europäischer Strom ist ja supersauber. Das bissl Atomenergie aus Frankreich und der Kohlestrom aus Polen fallen bei den Anstrengungen der europäischen Energiewende ja fast nicht mehr ins Gewicht. Verstärkt wird die Umweltfreundlichkeit von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen vermutlich auch dadurch, dass viele Elektro-Autos (z.B. Tesla oder jene von asiatischen Herstellern) sowie die Batterien, die europäische Autohersteller verbauen, nicht Europa hergestellt werden. Umweltbelastungen, die bei der Herstellung der Fahrzeuge sowie der Gewinnung der Rohstoffe für Batterien und deren Erzeugung anfallen, verschmutzen erfreulicher Weise andere Kontinente. Europa bleibt also sauber und grün. *sarkasmus off*

Von der EU legitimiertes Green Washing

Mit der Verordnung (EU) 2019/631 verschärft die EU die CO2-Ziele für neue PKW noch mehr. Minus 37,5 Prozent bis zum Jahr 2030 gegenüber dem WLTP-Zielwert im Jahr 2021. Im Oktober 2020 hat das Europaparlament noch strengere Vorgaben beschlossen. Dem neuen Beschluss zufolge müsste der CO2-Ausstoß bei Autos pro Kilometer bis 2030 um 60 Prozent sinken.

Für Automobilhersteller gibt es gemäß der Verordnung (EU) 2019/631 jedoch mehrere Wege, um den Flottenverbrauch zu senken. Sie können mehr Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge (die dank WLTP-Prüfverfahren trotz Verbrennungsmotor als emissionsarm gelten) verkaufen. Sie können sich Öko-Innovationen, die CO2 einsparen, anrechnen lassen. Neue PKW, die weniger als 50 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer emittieren, können sogar mehrfach angerechet werden – besser kann das Schönrechnen von Abgasemissionen nicht illustriert werden.

Auch Emissionsgemeinschaften sind eine Möglichkeit, um den Flottenverbauch schlagartig zu reduzieren. Automobilhersteller können gemäß Artikel 6 der VO (EU) 2019/631 ihre jeweiligen Emissionen poolen. So macht das (laut Website des deutschen Umweltbundesamtes) zum Beispiel der Konzern FCA (Fiat Chrysler Automobiles) mit Tesla. Fiat Chrysler kauft sich um viel Geld (kolportierte hunderte Millionen Euro bzw. USD) die Null-Emissionen von Teslas Elektroautos ein und rechnet sich damit grün. Dadurch wird zwar kein Gramm CO2 weniger in die Luft geblasen, aber für die EU gilt das schon als wirksamer Klimaschutz.

Schönes, grünes Europa …


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