Nachhaltigkeit: Finanzmärkte im Kampf gegen Klimawandel

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Wer langfristig im Finanzsektor erfolgreich sein will, wird am Thema Nachhaltigkeit nicht mehr vorbeikommen“, sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld laut einem Bericht im BaFin-Journal vom Mai 2019, als er die erste Konferenz seiner Behörde zum Thema „Nachhaltige Finanzwirtschaft“ in Berlin eröffnete.

Als Unternehmer, unter anderem auch im Finanzsektor, kann ich dieser Aussage nur zustimmen. Nachhaltiges Wirtschaften ist für jedes Unternehmen die langfristige Überlebensgarantie. Darauf spielt der BaFin-Präsident mit seiner Feststellung allerdings nicht an.

Pariser Klimaziele im Fokus

Der Klimawandel ist sowohl eine globale Bedrohung als auch eine Herausforderung“, sagte Hufeld weiter und wies damit auf drohende Umwelt- und Klimarisiken für die Finanzwirtschaft hin. Als Finanzaufsicht sei es der Auftrag seiner Behörde, Nachhaltigkeitsrisiken für das Finanzsystem zu erkennen und die beaufsichtigten Unternehmen aufzufordern, sie angemessen zu berücksichtigen.

Um den klassischen Umweltschutz im Alltag eines Unternehmens geht in seinem Vortrag allerdings nicht. Viel mehr stehen jene Beiträge im Fokus, die privates Kapital und die Finanzindustrie leisten können, um die Pariser Klimaziele (sic!) zu erreichen. Was die Politik nachhaltig nicht zustande bringt, sollen also Banken und private Finanzdienstleister richten?

ESG: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung

Unbestritten ist, dass das Berücksichtigen von Kriterien wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (Environmental, Social and Governance, kurz ESG) beim langfristigen Investieren von Geldern oder beim Entwickeln von Finanzprodukten sinnvoll und notwendig ist. Die Frage ist jedoch, wie und nach welchen (politisch genehmen?) Kriterien das in der Praxis erfolgen soll.

Laut Hufeld müsse sich der Finanzsektor am Umbau der Realwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit beteiligen. Dabei sei nachhaltiges Investieren die Basis. Immerhin verfügen laut seiner Aussage alleine die deutschen Lebensversicherer und Pensionskassen aktuell über Kapitalanlagen von mehr als einer Billion Euro. Diese sollen augenscheinlich, durch Investieren nach ESG-Kriterien, einen viel größeren Beitrag zum Erreichen der Pariser Klimaziele leisten.

Soll der Finanzsektor die Versäumnisse der europäischen Klima-Politik kompensieren?

Sollen politisch motivierte Ziele – weil die Politik, die sie festgelegt hat, daran scheitert – jetzt also stellvertretend vom Finanzsektor erreicht werden? Der Eindruck drängt sich auf.

Natürlich nicht auf freiwilliger Basis, sondern auf Basis einer „klaren regelbasierten Regulierung„, also Normen im Rang von Gesetzen oder Verordnungen. Klimawandelbezogene Risiken sollen in die Bankenstresstests einfließen. Finanzdienstleister soll künftig klimabezogene Risiken im Risikomanagement berücksichtigen. Auch von der Idee, für jedes Wertpapierportfolio einen CO2-Fußabdruck (!) zu berechnen, habe ich schon gehört.

Wer legt die Kriterien für nachhaltiges Investieren fest? Werden sich diese Kriterien an der Realität orientieren, oder politisch motiviert sein? Wann gelten Finanzprodukte aus Sicht der Aufsichtsbehörden als nachhaltig? Ist die Politik tatsächlich in der Lage, wirksame Regeln zu erfinden, die Klima und Umwelt helfen? Angesichts der aktuellen europäischen Umwelt- und Klimapolitik erscheint das eher fragwürdig.

Ein spannendes Thema, zu dem es noch viele Diskussionen geben wird.


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