
EU finanziert mit Global Green Bond Initiative Fund weltweit nachhaltige Infrastruktur
Die Europäische Union und ihre Entscheidungsträger sind bekannt für große Pläne, wie beispielsweise Europas Grünen Deal. Ein ähnlich visionärer Plan, der mit enormen Investitionsbeträgen jongliert, ist die im Dezember 2021 präsentierte Global-Gateway-Strategie der EU. Mit ihr geht die EU-Kommission „die dringendsten globalen Herausforderungen an – vom Klimawandel über bessere Gesundheitssysteme bis hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und stabilen Lieferketten“. Von geopolitischen Krisen war 2021 noch nicht die Rede.
Investitionsziele
Bereits mehr als € 306 Mrd. sind in hochwertige, nachhaltige Projekte geflossen, davon alleine rund € 150 Mrd. in das Investitionspaket Afrika-Europa, wie beispielsweise der Modernisierung der einzigen Eisenbahnstrecke in Gabun. Global Gateway setzt auch Projekte in Lateinamerika (etwa eine Trinkwasseraufbereitungsanlage in Ecuador) und der Karibik (wie eine Speicherzelle für grünen Wasserstoff auf Barbados), im Nahen und Mittleren Osten, in Asien und im Pazifikraum sowie in afrikanischen Ländern südlich der Sahara um.
Global Green Bond Initiative
Ende April 2026 unterzeichneten die EU und Partner für Entwicklungsfinanzierung, wie die Europäische Investitionsbank EIB (deren Vizepräsident seit September 2025 auch der ehemalige Bundeskanzler Karl Nehammer ist) den Global Green Bond Initiative (GGBI) Fund. Dieser Fonds ist eines der Flaggschiffe der Global-Gateway-Strategie und soll bis zu € 20 Mrd. privates Kapital für große, nachhaltige Infrastrukturprojekte auf der ganzen Welt mobilisieren. Gleichzeitig sollen damit auch die Märkte für grüne Anleihen in den Partnerländern gefördert werden.
Nachhaltige Finanzierung

Grüne Anleihen werden weltweit als wichtiges Instrument anerkannt, um Mittel privater Anleger für Investitionen mit positiver Umweltwirkung zu mobilisieren und gleichzeitig einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung zu finanzieren, gibt sich die EIB überzeugt.
Über den „risikoarmen“ (Zitat EIB) Global Green Bond Initiative Fund sollen Investoren in grüne Anleihen investieren, die in Schwellen- und Entwicklungsländern von privaten und staatlichen Einrichtungen emittiert werden. Die EIB erhofft sich einen „Staubsauger-Effekt“, der weitere Investoren anzieht. So könnte der Fonds grüne Investitionen in Höhe von € 15 bis zu € 20 Mrd. mobilisieren.
Entwicklungsmärkte

Mindestens 20 % der Investitionen sollen in die am wenigsten entwickelten Länder der Welt fließen. Laut Brüssel „wird dies dazu beitragen, lokale Kapitalmärkte zu stärken und die internationale Verwendung des Euro zu fördern.“ Und weiter: „Als weltweit führender Emittent von grünen Anleihen wird die EU hohe Umweltstandards fördern und bewährte Verfahren mit Partnerländern teilen.“
Günstiger und wirksamer
Klimaschutz ist ein globales Thema, und nicht – wie der Grüne Deal meint – ein europäisches. Projekte rund um die Welt zu finanzieren, ist daher ein ebenso notwendiger wie sinnvoller Ansatz. Zumal Klimaschutzmaßnahmen außerhalb der EU oft günstiger, schneller umzusetzen und letztendlich global wirksamer sind als teure und langwierige Projekte in Europa. EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen möchte mit dem GGBI-Fund auch die europäische „Führungsrolle im Bereich der nachhaltigen Finanzierung“ unterstreichen.
Dieser Beitrag ist erstmal im Börsen-Kurier Nr. 22 vom 29. Mai 2026 erschienen.

