
Compliance-Rückblick 2025
2025 ist Geschichte. Wir sind – hoffentlich alle gesund und motiviert – ins neue Jahr 2026 gerutscht. Aus Sicht der Compliance war 2025 erneut eine herausfordernde Zeit. Ein kurzer (unvollständiger) Rückblick.
Anlageberatung
Für die alltägliche Praxis der Anlageberatung brachte das Jahr 2025 wenig tiefgreifende Neuerungen. Die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA warnte vor dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz und schloss bezüglich Fondskosten ihre Wissenslücke. Gravierende Neuerungen wird wohl erste die kommende Retail Investment Strategy RIS bringen, auf deren – wenig erfreuliche – Inhalte sich die europäische Politik kurz vor Jahresende geeinigt hat.
Geldwäsche-Prävention
Das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz FM-GwG sowie die Gewerbeordnung GewO verschonten uns 2025 mit geldwäsche-relevanten Novellierungen. Umso mehr war die verschärfte Aufsichtspraxis von FMA und Gewerbebehörden lehrreich. Die FATF besuchte Österreich, die Ergebnisse der Länderprüfung sollen wir im Februar 2026 erfahren. Schon das ganze Jahr über gelten Kunden, die „Begünstigte eines Lebensversicherungsvertrages“ sind (also wahrscheinlich ein Großteil der Österreicher), als potentiell erhöhtes Risiko.
Datenschutz & IT-Sicherheit
Im Herbst 2025 veröffentlichte die EU-Kommission ihre Pläne zum Aufweichen der Datenschutz-Grundverordnung DSGVO. Namhafte Datenschützer warnten und warnen vor dem Ende des Schutzes personenbezogener Daten der EU-Bürger zu Gunsten der US-Tech-Giganten. Der Digital Operational Resilience Act DORA der EU war unverändert ein Reizthema. Sogar die EU-Kommission musste Anfang 2025 kleinlaut eingestehen, dass „keine funktional gleichwertigen Alternativen zu einer Plattform wie Microsoft365 gefunden“ werden kann. Aber Hauptsache, die Finanzbranche wird mit DORA gequält.
Nachhaltigkeit
Die größte Pleite des abgelaufenen Jahres erlebte das Thema Nachhaltigkeit. Omnibus-Verordnungen walzten eine Vielzahl an grünen Regelwerken platt. Vielfach zurecht. Im Herbst 2025 verkündete die EU-Kommission ihre Ideen zur Überarbeitung der EU-Offenlegungsverordnung SFDR. Ob diese Änderungen nachhaltige Finanzprodukte beliebter bei Anlegern und wirksamer für das Klima machen (so sie das jemals waren) bleibt ungewiss.
Compliance-Ausblick 2026
Nach den Silvester-Feierlichkeiten starten wir ins Compliance-Jahr 2026. Eines ist bereits kurz nach dem Jahreswechsel sicher: Einfacher und weniger bürokratisch wird das Einhalten sämtlicher gesetzlicher Pflichten auch heuer nicht. Ein kurzer (unvollständiger) Ausblick.
Anlageberatung
Mit Hochspannung warten alle Finanzdienstleister auf die Veröffentlichung der finalen Retail Investment Strategy RIS, die für das 1. Quartal angekündigt ist. Wie „einfach“ wird künftig der Eignungstest? Unter welchen Voraussetzungen dürfen noch Provisionen angenommen werden? Das sind nur zwei zentrale Aspekte, die direkten Einfluss auf den Beratungsalltag von Finanzberatern haben werden.
Geldwäsche-Prävention
Im Februar wird uns die FATF mitteilen, ob sie Österreich auf die Graue Liste setzt – und damit auf eine Stufe wie den Kongo und Syrien stellt. Die Aufregung wäre groß, die Folgen gesamtwirtschaftlich spürbar. Das im Februar 2025 veröffentlichte Sanktionengesetz 2024 gilt seit Jahresbeginn erstmals für Wertpapierfirmen. Sie und ihre angeschlossenen Berater müssen sich neuerdings auch mit der Nichtumsetzung und Umgehung völkerrechtlich verpflichtenden Sanktionsmaßnahmen von UN und EU beschäftigen. Bis zur Jahresmitte muss die neue EU-Anti-money-laundering-Authority AMLA bekanntgeben, wie sie sich die Umsetzung der kommenden Geldwäsche-Bestimmungen (ab 10. Juli 2027) vorstellt.
Datenschutz & IT-Sicherheit
Spannend wird sein, ob der amtierende US-Präsident tatsächlich sämtliche Dekrete seines Vorgängers rückgängig macht – und damit auch das ohnehin auf wackeligen Beinen stehende EU-US-Datenschutz-Abkommen. US-IT-Dienstleister wie Microsoft, Google, AWS & Co. wären dann offiziell (und rein theoretisch) wieder ein absolutes No-Go. Aber DORA kennt sicher eine Lösung für dieses Problem (sarkusmus off).
Nachhaltigkeit
Ob sich die Politik auf die überarbeitete EU-Offenlegungsverordnung SFDR einigen kann, bleibt abzuwarten. Wenn ja, wird es künftig unter anderem neue Kategorien nachhaltiger Finanzprodukte geben, die eine Änderung der Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen nach sich zieht (und hoffentlich seitens des Gesetzgebers nicht verschlafen wird, es wäre nicht das erste Mal, dass grüne Regularien in der falschen Reihenfolge kommen und Finanzdienstleister in die Bredouille bringen).

