
Unternehmen sollen in der EU nahtlos agieren und wachsen können
Im Februar 2026 kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen „Pakt für den einen Markt“ an. Der Fahrplan „Ein Europa, ein Markt“, der Ende April 2026 unterzeichnet wurde, soll europäische Unternehmen, insbesondere innovative, kleine und mittlere Unternehmen sowie Startups dabei unterstützen, grenzüberschreitend zu handeln und zu skalieren, einfach und auf standardmäßig digitaler Basis. „Diese Maßnahmen werden das Wirtschaftswachstum in Europa ankurbeln, unseren digitalen Wandel sichern und die Resilienz der Industrie stärken.“, hofft die Präsidentin.
Déjà-vu
Schon seit ihrer Gründung ist es Ziel der Europäischen Union, einen homogenen Binnenmarkt sowie eine gemeinsame wettbewerbsfähige Marktwirtschaft mit nachhaltigem Wirtschaftswachstum zu schaffen. In einer Welt, die heute geprägt ist von geopolitischen Krisen wie jenen in der Ukraine und im Nahen Osten, technologischer Transformation – Stichwort Künstliche Intelligenz – und wirtschaftlichen Unsicherheiten bzw. Abhängigkeiten, mag es sinnvoll sein, die europäischen Ziele wieder in den Fokus zu rücken. Neu oder gar innovativ ist die Idee „Ein Europa, ein Markt“ aber nicht.
Hindernisse beseitigen

Innerhalb der EU bestehen nach wie vor erhebliche Handelsschranken. Den Unternehmen gehen jedes Jahr Milliarden Euro verloren, weil nationale Regeln, Systeme und Aufsichtsregime den Binnenmarkt unnötig fragmentieren.
Der neue Fahrplan, der bis Ende 2027 umgesetzt werden soll, konzentriert sich auch fünf zentrale Bereiche: einen wirklich gemeinsamen Binnenmarkt, einfachere Vorschriften, erschwingliche Energie, Innovationen und digitaler Wandel. Europas Wohlstand, Sicherheit, globaler Einfluss und Unabhängigkeit sollen damit gesichert werden.
EU-Unternehmensbrieftaschen
Als zentrale Instrumente sieht die Kommission einen vereinheitlichten Unternehmensrahmen (EU Inc.) sowie die europäischen Unternehmensbrieftaschen (European Business Wallets). Diese sollen es Unternehmen und Behörden digital sowie EU-weit harmonisiert und benutzerfreundlich ermöglichen, Daten innerhalb der EU sicher und rechtswirksam auszutauschen. Bereits seit November 2025 existiert der entsprechende Verordnungsvorschlag, der bis Ende 2026 umgesetzt sein soll.
Omnibusse

Schon seit 2025 vereinfachen Omnibus-Pakete (EU-Verordnungen, die mehrere Rechtsakte gleichzeitig abändern) insbesondere die „grüne“ Regulatorik. Weitere Vereinfachungen sind für die Bereiche Digitales, Besteuerung und Energieerzeugung geplant, um den Verwaltungsaufwand auf allen Ebenen – EU, national und regional – zu reduzieren.
Zusätzliche sieht der Fahrplan vor, neue Handelsbeziehungen, wie etwa mit Mexiko, dem Mercosur, Indien und Australien, auszubauen, um Zugang zu Ressourcen und Lieferketten zu sichern.
Energie und Kapital
Energie bleibt unverzichtbar, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen soll jedoch verringert werden. Gleichzeitig müsse Energie aber auch erschwinglich bleiben. Ebenso unverzichtbar für Innovation, Wachstum und das Schaffen hochwertiger Arbeitsplätze sei frisches Kapital für Unternehmen. Dazu sollen auch Ersparnisse mobilisiert werden, und der Digitale Euro soll das europäische Zahlungssystem stärken.
What’s new?
Angesichts des Fahrplans „Ein Europa, ein Markt“ und der gleichlautenden ursprünglichen Ziele der EU drängt sich die Frage auf, warum sie nicht schon lange erreicht wurden – und ob es die Politik diesmal schafft, die EU zu vereinter Stärke zu führen.
Dieser Beitrag ist erstmalig im Börsen-Kurier Nr. 21 vom 22. Mai 2026 erschienen.

