
Investments in erneuerbare Energien erleben eine Renaissance
Nach Öl und Gas drängt, am Öl und Gas hängt doch alles. Diese Abwandlung des berühmten Zitats aus Goethes „Faust“ bringt eine der globalen Folgen des Iran-Konflikts auf den Punkt. Seit die Straße von Hormus, die Meerenge zwischen Iran und Oman, für den Schiffverkehr gesperrt ist, stiegen die Preise für fossile Energieträger sprunghaft an. Denn durch diesen Flaschenhals führten bis vor den Iran-Konflikt je etwa ein Fünftel der globalen Öl- und (Flüssig-)Gastransporte. Der Angriff auf Ras Laffan in Katar, der weltweit größten Verflüssigungsanlage für Gas, verschärft die Krise zusätzlich und vermutlich längerfristig.
Tanken spürbar teurer
Tanken wurde unmittelbar teurer. Doch nicht nur Benzin und Diesel an den Zapfsäulen rund um den Globus kosten mehr Geld. Öl und Gas sind auf der ganzen Welt eine zentrale Energiequelle für so gut wie jeden Industriezweig. Steigen sie im Preis, verteuern sich mit einiger Verzögerung alle erzeugten Waren. Der Iran-Konflikt wird uns alle Geld – um nicht zu sagen Wohlstand – kosten. Das scheint sicher. Elektroautofahren können sich nur kurzfristig freuen. Knapp 30 % des europäischen Stroms wird aus fossilen Brennstoffen, insbesondere Gas, erzeugt. Auch beim Strom ist von baldigen Preissteigerungen auszugehen.
Ruf nach billiger Energie
Neben den Rufen nach Spritpreisbremsen werden auch die Rufe nach dem verstärkten Ausbau erneuerbarer Energiequellen wie Windkraft und Photovoltaik wieder lauter. „Grüne“ Energiequellen können Menschen und Wirtschaft von fossilem und klimaschädlichem Öl und Gas unabhängiger machen. Wie das Handelsblatt schreibt, berichtet der Energiekonzern Eon, dass sich die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen seit Beginn des Iran-Konflikts verdoppelt hat.

Der deutsche Photovoltaik- und Wärmepumpenanbieter Enpal spricht von um 70 % gestiegen Anfragen im Vergleich zum Vormonat. Möglicherweise bescheren die aktuellen geopolitischen Konflikte auch Investments in regenerative Energieformen einen Aufschwung.
Schwierige Marktphase
Nachhaltige Aktien-Investments im Sektor „Clean Energy“ haben sich in den vergangenen drei Jahren oftmals unerfreulich entwickelt. Wir finden sie vielfach am unteren Ende von Performance-Rankings. Geschuldet ist das nicht nur dem schwindenden Zuspruch, sondern auch den gestiegenen Kreditzinsen. „Dass Null-Zinsen irgendwann ein Ende haben werden, hatten wohl viele Unternehmen nicht am Radar, so auch etliche der im Vergleich kleinen und mittleren Hersteller und Betreiber der Branche“, vermutet Robert Zepnik, ein auf nachhaltige Geldanlagen spezialisierter Finanzexperte. Höhere Zinsen machten die Wirtschaftlichkeit und damit Rendite vieler Projekte zunichte. Auch einige für „grüne“ Energien förderliche Rahmenparameter, wie Einspeisevergütung, Netzkosten und Förderungen, hatten sich zu deren Ungunsten verändert.
Rückkehr der Performance
In der Ein-Jahres-Betrachtung kann die Performance ausgewählter Aktienfonds mit Fokus auf Solar, Wind und saubere Energien sichtbar aufholen. Die kurzfristige YTD-Betrachtung seit Jahresbeginn 2026 bestätigt diese Entwicklung. Besonders sichtbar wird der „Rebound“ nachhaltiger „Green/Clean Energy“-Aktienfonds seit Beginn des Iran-Konflikts am 28. Februar. Während Indizes wie S&P 500 und EuroSTOXX 50 ebenso wie Gold starke Verluste einfuhren, konnten sich die „grünen“ Investments vergleichsweise gut behaupten.
Dieser Beitrag ist erstmals im Börsen-Kurier Nr. 15 vom 10. April 2026 erschienen.

