
Anleger erwarten mehr als Rendite von ihren Finanzberatern
Die aktuelle „Vanguard Beratungsstudie 2026“ von Vanguard Asset Management, einer US-amerikanischen Fondsgesellschaft, geht der Frage nach, was Anleger von ihren Finanzberatern erwarten. Dazu befragte das Vanguard Advisory Research Center 1.010 Anleger und 203 Finanzberater, darunter Fondsvermittler (79,3 %), unabhängige Vermögensverwalter (11,8 %) und Bankberater (8,9 %), aus Deutschland. Die Stichprobe umfasst möglichst viele unterschiedliche Unternehmen, Vermögenssegmente und demografische Merkmale.
Mehrwert professioneller Beratung
Anleger messen Finanzberatung erheblichen Mehrwert bei. Fast alle befragten Anleger (94,6 %) gehen davon aus, ihre Berater hätten zum Wachstum ihres Portfolios spürbar beigetragen. Den wahrgenommenen Zuwachs (Alpha) beziffern die Befragten mit durchschnittlich 6,4 % pro Jahr. Über 70 % zeigen sich zuversichtlich, dass sie ihre langfristigen Ziele dank ihrem Berater erreichen werden. Knapp zwei Drittel gaben an, dass es sie beruhigt, einen Berater an ihrer Seite zu wissen. Die Studie bestätigt, dass beim Wert einer Finanzberatung neben finanziellen Überlegungen auch das Vertrauen, ein Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden eine Rolle spielen.
Gut gepflegte Kundenbeziehung
Finanzberater sollten jene Gründe nennen, die Kunden dazu bewegen, eine Beratungsbeziehung zu beenden. Zwei Drittel der Berater gaben als Hauptgründe dafür persönliche Differenzen an sowie dass Kunden von der Servicequalität enttäuscht waren. Unzufriedenheit mit dem Portfolio nannten hingegen nur 26,1 % als Hauptgrund für das Ende der Kundenbeziehung.
In diesem Zusammenhang deckt die Studie eine Diskrepanz auf zwischen dem, was sich Anleger wünschen, und dem, was Berater aktuell bieten. 54,5 % der befragten Anleger gaben an, dass sie ihren Berater mehr als einmal pro Jahr persönlich treffen möchten, doch nur 46,3 % der Berater kommen diesem Wunsch nach eigenen Angaben nach.
Aufmerksamkeit für Kunde & Portfolio
Anleger benötigen Aufmerksamkeit und Zeit, um Vertrauen aufzubauen und eine Beziehung zu ihren Beratern zu entwickeln. Aus früheren Untersuchungen von Vanguard geht hervor, dass ein Hauptgrund für Vertrauensverlust die zu geringe Aufmerksamkeit der Berater für das Kundenportfolio ist. 44 % der befragten Anleger gaben an, dass sie ihrem Berater nicht vertrauen, weil dieser „sich nicht ausreichend um mich oder um mein Portfolio gekümmert hat“.

Als wertvollstes Merkmal ihres Beraters werten die befragten Anleger Anlagekompetenz (20,5 %), gefolgt von individueller Beratung (20,2 %) und Gebührentransparenz (16.8 %). Erst dahinter folgen Anlagekosten (14,5 %) und Anlageergebnisse (12,3 %).
Verhaltenscoaching
Anleger schätzen die Fähigkeit ihrer Berater, sie bei emotionalen Entscheidungen zu unterstützen. 72,8 % der Anleger schätzen Berater, die ihnen helfen, impulsive Reaktionen auf volatile Marktbewegungen zu vermeiden, die ihre langfristigen Anlageziele gefährden könnten.
Nachlassplanung
Anleger haben zunehmend Bedarf an Beratung zu Erhalt und Weitergabe von Vermögen. Doch viele Berater verpassen die Gelegenheit, sich mit ihren Kunden und deren Familien zu diesem Thema auszutauschen. Die Sudie ergab, dass nur 16 % der befragten Anleger das Thema Nachlassplanung mit ihren Beratern besprochen haben, und dass nur 9 % der Berater mit den meisten ihrer Kunden ein Gespräch dazu geführt haben.
Dieser Beitrag ist erstmals im Börsen-Kurier Nr. 7 vom 13. Februar 2026 erschienen.

