Weltspartag: Augenauswischerei oder Chance?

Alle Jahre wieder beglückt uns Ende Oktober der Weltspartag. An diesem Tag locken Banken ihre Kunden in die Filialen und verschenken – auf gut Altwienerisch – Klumpert. Weil Zinsen gibt es ja keine mehr. Naja, das stimmt nicht ganz. Meine Hausbank bietet für täglich fälliges Geld (s Komfort Sparen) immerhin noch 0,020 % pro Jahr. Für 1.000 Euro bringt mir das 20 Cent jährlich an Ertrag. Abzüglich Kapitalertragsteuer bleiben mir davon 15 Cent. Eine Augenauswischerei.

Ich kann mich noch gut erinnern als ich selbst mein Sparschwein „geschlachtet“ habe und mit Omi an der Hand freudig in die Bankfiliale gelaufen bin. Herrlich, was es da für uns Kinder alles gab. Sparefrohs aus Plastik, Plüschviecherln, den guten, alten Postfuchs als Spardose und Süßigkeiten. An Schwedenbomben mit unterschiedlich gefärbter Schaumfülle kann ich mich erinnern. Erstens mag ich Schwedenbomben (Wer eigentlich nicht?), zweitens gab es für jene, die eine mit bunter Füllung erwischten, ein kleines Präsent extra. Die Zinsen haben mich damals nicht interessiert.

Im Grunde ist der Weltspartag ein ähnlich geniales Marketing-Werkzeug wie Ronald McDonalds aus dem Fast Food-Tempel. Schon die Allerkleinsten werden mit Spielzeug und Partystimmung als zukünftige Kunden herangezogen. Den leicht beeinflussbaren Kindern wird bunt und freundlich suggeriert, dass Banken (und Fast Food-Tempel) etwas Gutes sind, kleine Geschenke untermauern diese Strategie. Und sie funktioniert bestens.

Wenn ich Quellen aus dem Internet glauben darf, dann wurde der erste Weltspartag am 31. Oktober 1925 begangen. Die Idee dafür geht auf den 1. Internationalen Sparkassenkongress im Jahr zuvor zurück und widmete sich dem Fördern des Spargedankens.

Den Spargedanken fördern? Ja, aber richtig und zeitgemäß!

Es wäre längst an der Zeit, dass sich Banken auf die ursprüngliche Idee des Weltspartages zurückbesinnen. Denn beim heutigen Zinsniveau sparen sich alle, die an Sparbuch und Co. festhalten, sukzessive in die Armut. Und „Kombi-Produkte“, bei denen brauchbare Zinsen von bis zu 3 % p.a. angeboten werden, können auf Dauer nicht die Lösung sein. Denn diese attraktiven 3 % werden offensichtlich aus den vereinnahmten Abschlussprovisionen der „Kombi-Produkte“ wie Bausparvertrag und Lebensversicherung oder einfach dem Marketingbudget quersubventioniert.

Ziel führender – für Sparer und letztendlich auch die Banken – wäre es, wenn aus dem WeltSPARtag der WeltANLAGEtag wird. Nicht die aus Marketingbudgets quersubventionierten Zinsen und das bunte Klumpert sollten im Fokus stehen, sondern echte, Ziel führende Alternativen zu Sparbuch & Co.

Das Problem mit der Verantwortung

Tja, und da landen wir auch schon beim Hauptproblem meiner Idee, der Verantwortung. Jede Veranlagung abseits von Sparbuch und Bausparvertrag verlangt vom Sparer ein deutlich höheres Maß an Eigenverantwortung. Nur bei den genannten, traditionellen Sparformen kann jede Eigenverantwortung dafür was tatsächlich mit dem hart ersparten Geld passiert am Bankschalter abgegeben werden. Keine Verantwortung geht aber auch Hand in Hand mit keinem Ertrag.

Ertrag gibt es nur mit Verantwortung. Eigentlich sollte es ja selbstverständlich sein, dass Herr und Frau Sparer ein Mindestmaß an Eigenverantwortung für das eigene Geld übernehmen. Nur ist das leider graue Theorie. Auch hier leistet der Weltspartag gute Vorarbeit. „Bring mir dein Geld in die Filiale, ich kümmere mich schon darum“, das suggerieren die Banken an diesem Tag nämlich ebenso.

Jede Chance auf echten Ertrag ist zudem mit einem entsprechenden Risiko verbunden. Ja, so ist das leider, ohne ein gewisses Maß an Risiko ist kein Ertrag zu erzielen. Das muss jedem Sparer, der zum Anleger werden will, bewusst sein. Ein Anleger kann die Verantwortung für sein Geld nicht am Bankschalter (oder beim Finanzberater) abgeben, er muss sich auch selbst mit dem Thema Geld auseinander setzen. Wir sitzen stundenlang vor der Glotze oder der Play Station, konfigurieren im Internet zigmal unser neues Auto und lesen dutzende Hotelbewertungen bevor wir uns für das nächste Urlaubsdomizil entscheiden.

Warum also nicht auch einmal – im wahrsten Sinne des Wortes – wertvolle Zeit für das eigene Geld investieren? Unser Geld sollte uns das Wert sein, denke ich.