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Als ich ein Kind war, in den 1970er Jahren, gab es jedes Obst und Gemüse nur dann, wenn es gerade auf heimischen Feldern geerntet wurde. Also beispielsweise frische Erdbeeren (die wir „Ananas“ nannten) und Marillen im Hochsommer und reife Paradeiser im Spätsommer bis Herbst. Auch Salatgurken und Paprika, Paradegemüse meiner Onkel und Tanten in den Wiener Gemüsegärtnereien, gab es nicht das ganze Jahr, sondern immer dann, wenn diese Saison hatten. Natürlich wurden auch schon damals Orangen (im Winter) und Bananen importiert, aber von reifen Avocados und frischen Mangos im Supermarkt konnte ich nur träumen.

Kleine Anekdote zwischendurch: bei meinen Onkeln und Tanten in den Wiener Gemüsegärtnereien habe ich mir mit dem Zusammenfalten der Verpackungskartons für Salatgurken mein allererstes (Taschen-)Geld verdient. Ich war ungeschlagener Weltmeister im Kartonfalten. Drei Stück pro Minute habe ich als Zwölfjähriger geschafft. Schon damals wurden zu krumme Gurken aussortiert (die sich jeder Arbeiter, Besucher usw. gratis mitnehmen konnte). Einfach deshalb, weil von krummen Salatgurken zu wenige in die Kartons passten, um das erforderliche Füllgewicht je Karton zu erreichen. Das funktionierte bestens – auch ohne der legendären (und schon seit vielen Jahren wieder außer Kraft gesetzten) EU-Verordnung zur Gurkenkrümmung. Schon damals war also nicht jede EU-Verordnung sinnvoll und notwendig.

Heutzutage ist es vollkommen normal – und viele Junge und Jugendlich kennen es gar nicht anders -, dass es jedes heimische und exotische Obst und Gemüse das ganze Jahr über gibt. Noch dazu oft zu Preisen, bei denen man sich fragen muss, was der Bauer daran überhaupt noch verdient. Von Erdbeeren und Paradeisern aus Spanien, Kartoffeln aus Ägypten, Avocados, die Unmengen an Wasser zum Gedeihen brauchen, aus Südamerika bis zu filetierter frischer Ananas (der echten), die täglich aus Afrika eingeflogen (!) wird.

Ich achte beim Einkauf von Lebensmitteln auf Regionalität und Saisonalität, nicht zuletzt, weil ich mit ERIKAs Marmeladen ja selbst regionaler Lebensmittel-Kleinproduzent bin. Ich kaufe Käse, Speck, Eier und manchmal auch ein Flascherl Wein oder Obstler gerne auf (Bauern-)Märkten, von denen es auch in der Wiener Innenstadt einige gibt. Natürlich teurer als im Supermarkt, aber dafür mit deutlich besserer Qualität als die Massenware bei der nur der Preis zählt. Dies auch deshalb, weil ich dann weiß, dass der Bauer wirklich seinen Lohn verdient – und nicht Lebensmittel- und Supermarktkonzerne den Gewinn abschöpfen.

Natürlich gönne ich mir auch mal eine Avocado, eine Ananas oder exotisches Gemüse für meine Currys. Aber in Maßen. Und frische Himbeeren im tiefsten Winter oder gehypter Superfood á la Quinoa, eingeflogen aus südamerikanischen Monokulturen, kommen mir nicht nach Hause. Ebenso verbanne ich als langjähriger Hobbykoch Fertigprodukte, in denen oftmals Palmöl aus Indonesien steckt, aus meinem Haushalt.

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