Finanzwissen: Wer nichts weiß, muss alles glauben

Hand aufs Herz: Wie viel Zeit nehmen Sie sich für den Kauf eines neuen Autos? Stunden, Tage, Wochen? Wie intensiv recherchieren Sie, bevor Sie sich für das nächste Urlaubsziel entscheiden? Gründlich, oder? Schließlich wollen Sie ja eine Entscheidung treffen, die Sie nicht bereuen. Und wie viel Zeit investieren Sie in Ihre Geldanlage und Finanzplanung?

Logo anlegerakademie.atFalsche oder vorschnelle finanzielle Entscheidungen können Existenz bedrohend sein. Wir messen ihnen oft viel zu wenig Bedeutung zu, obwohl sie im Leben unser ständiger Begleiter sind. Es beginnt mit der Frage, wofür wir unser Taschengeld ausgeben, später suchen wir die richtige Bank für eine Finanzierung und die beste Versicherung für die private Pensionsvorsorge. Wenn wir ein wenig Geld übrig haben, sparen oder veranlagen wir es, und schließlich entscheiden wir, an wen wir unser Vermögen einmal weitergeben werden.

Dabei tauchen Privatanleger in eine Finanzwelt ein, die schnelllebig und komplex geworden ist. Jeder Laie sollte in diesem Umfeld auf der Hut sein, eine gute Portion Fachwissen und Zeit mitbringen. Sonst besteht die Gefahr, dass man als „Frühstück“ der Finanzhaie aller Art endet.

Viele Anleger sind schon gut beraten und vertrauen einem Finanzberater, der ihnen bei Geldanlage und Finanzplanung mit Rat und Tat zur Seite steht. Damit stehen die Aussichten auf (Anlage-)Erfolg schon deutlich besser. Trotzdem gilt es zu bedenken, dass man ohne ein Mindestmaß an Finanzwissen erst recht wieder alles glauben muss, was erzählt oder versprochen wird.

Mehr Eigenverantwortung übernehmen

Bunte Hochglanzbroschüren eignen sich nicht als Lehrmaterial. Solche Werbemitteilungen werden gedruckt, um – wie der Name schon sagt – Produkte zu bewerben. Wenig lehrreich sind auch manche Anlage-Ratgeber in Buchform. Sie werden verfasst, um möglichst viele Käufer zu finden und machen oft nur den Autor reicher. Wirtschaftsmagazine können informativ sein, leben aber auch von zahlenden Inserenten. Wie neutral oder kritisch ein redaktioneller Beitrag einem inserierenden Produktanbieter gegenübersteht, darf durchaus hinterfragt werden.

Ein guter Ratgeber ist der gesunde Hausverstand. In Kombination mit den Erkenntnissen der vergangenen Jahre können Anleger viele Denkfehler vermeiden. Zum Beispiel, dass die Kurse von (Immobilien-)Aktien unaufhörlich steigen, dass die niedrigen Zinsen am Sparbuch dem Vermögensaufbau dienlich sind oder dass staatliche Prämien für Bausparverträge und Zukunftsvorsorgeprodukte in Stein gemeißelt sind.

Bei der Geldanlage und Finanzplanung führt nur ein gesteigertes Maß an Eigenverantwortung zum Erfolg. Es geht um die persönliche und finanzielle Zukunft des Einzelnen, oft sogar um die finanzielle Existenz ganzer Familien. Jeder Anleger sollte die Verantwortung für sein Geld in die eigenen Hände nehmen.

Beim Autokauf zum Beispiel ist das ja auch selbstverständlich. Niemand überlässt die Entscheidung über Motorisierung, Farbe, Ausstattung und letztendlich dem Preis alleine dem wortgewandten Autoverkäufer. Bei der Geldanlage hingegen ist es viel zu oft üblich, auf das Gegenüber blind zu vertrauen. Schon das Stellen der richtigen Fragen kann die Ausgangssituation des Anlegers deutlich verbessern. Und dazu reicht bereits ein Minimum an praxisnahem Finanzwissen.

Finanzwissen ist eine Holschuld

Quellen für anlegergerechtes Finanzwissen gibt es mittlerweile viele. Eine ganze Reihe von Initiativen hat es sich zum Ziel gesetzt, Privatanlegern praxisnahes Finanzwissen näher zu bringen. Auch die Finanzdienstleistungsbranche selbst ist im Herbst 2012 aktiv geworden und hat das Projekt anlegerakademie.
at ins Leben gerufen.

Mit breiter Unterstützung von Interessenvertretungen, Banken, Versicherungen, Fondsanbietern und Branchenmedien startete Initiator Andreas Dolezal diese Wissensplattform für Privatanleger. „Ich konnte nicht länger tatenlos zusehen, wie Anleger viel zu oft banalen Denkfehlern aufsitzen“, sagt Dolezal. „Die Zeit ist mehr als reif für Finanzwissen nach dem Motto: Aus der Praxis für die Praxis.“

Wesentlich an Financial Education ist für Andreas Dolezal, das sie anbieterneutral und frei von jeglichem Vertriebsinteresse ist. „Kein Produktverkauf, keine Werbung!“, unterstreicht er. Und weiter: „Glücklicherweise konnte ich gleichgesinnte Produktgeber finden, die das Projekt jeweils mit einem kleinen Geldbetrag unterstützt haben.“ Darüber hinaus lebt anlegerakademie.at wesentlich vom persönlichen Engagement, dem Erfahrungsschatz und dem Zeiteinsatz der Proponenten. Finanzielle Unterstützungen kommen stets direkt den Lehr- und Seminaraktivitäten zugute.

Das breite Themenspektrum reicht von reinem Produktwissen über die individuelle Finanzplanung bis hin zu Tipps & Tricks. Transportiert werden die Inhalte in Präsenz-Seminaren und Workshops mit maximal 25 Teilnehmern. Profis „zum Anfassen“ vermitteln Finanzwissen nach Meinung von Andreas Dolezal nämlich am nachhaltigsten. Außerdem können die Veranstaltungen individuell an die jeweiligen Teilnehmer abgestimmt werden und so den größtmöglichen Mehrwert erzeugen.

Financial Education für SchülerInnen und Jugendliche

Gerade die junge Generation steht vor großen Herausforderungen. Junge Einsteiger in die komplexe Welt der Geldanlage können mit mehr praxisnahem Finanzwissen schmerzhafte Erfahrungen und folgenschwere Denkfehler von Beginn an vermeiden. Den ersten, zwölfstündigen Workshop mit dem Titel „Praxis Finanzen & Börse“ hat Andreas Dolezal im April 2013 für die Schüler/innen der Vienna Business School (VBS) HAK und HAS in Wien-Floridsdorf abgehalten.

Mag. Susanne Neuner, Direktorin der VBS: „Unser Schulstandort hat als einzige VBS Schule den Schwerpunkt Finanz- und Risikomanagement (FiRi). Der Workshop bietet den Schülerinnen und Schülern ergänzend zu den Lehrinhalten einen vertiefenden Einblick in die Praxis. Wir freuen uns, dass gerade wir die Ersten sind, die den SchülerInnen dieses Angebot machen können!“ Finanziell getragen wird der Workshop vom Elternverein der VBS sowie den Unterstützern von anlegerakademie.at.

Financial Education kann keine Garantie für den Anlageerfolg darstellen. Aber es ist jedenfalls erfreulich und sinnvoll, dass sie zunehmend Verbreitung findet.

(Artikel aus dem Magazin FONDS EXKLUSIV)